Ich heiße Vivien, Jahrgang 1991, und bin eine gebürtige Dresdnerin. Bisher hat es mich auch noch nicht von hier weggezogen.

Ganz untypisch für meinen jetzigen Herzensweg, war ich sehr lange eine absolute Pferdenärrin. Ich fühle mich zu allen Tieren hingezogen,

aber Pferde waren schon immer ganz besonders. Ich arbeitete viel in diesen Weg hinein - unbedingt wollte ich Pferdewirtin werden oder

zumindest auf einem Hof mit diesen zu tun haben. Hauptsache Natur und Pferde. Jedoch klappte es nie so recht und um ehrlich zu sein,

fühlte es sich auch immer schwer an. Ganz im Gegensatz zum Leben mit den Hunden. Denn auch diese ließ ich nicht außer Acht,

ich beharrte nur nicht so auf diese Richtung.


 

Neben meinem Kindergarten damals, gab es zwei schneeweiße Huskyhündinnen, Anka und Emely, Mutter und Tochter, die ständig in einem kleinen Hinterhof lebten. Der Besitzer war ein älterer netter Mann, der aber nicht die Kraft hatte sich um beide zu kümmern. Jedes Mal, wenn meine Mutti und ich am Zaun vorbei gingen, kamen beide angerannt und wir konnten sie ausgiebig streicheln. Eines Tages rief uns der Mann zu sich herein, meine Mama und er unterhielten sich und von dem Tag an, hatten wir einen Schlüssel für den Hinterhof und durften, wann immer wir wollten, mit den beiden raus gehen. Ich war 7/8 Jahre alt und das war das Schönste, was mir passieren konnte. Wenn ich jetzt daran zurück denke, war dieses Gefühl und was wir danach mit beiden erleben durften, tausend mal schöner und leichter als jeder Moment mit den Pferden (auch wenn ich diese jedes Mal genoss und nicht genug bekam).

Emely, die Tochter, war die quirligere von beiden. Anka dagegen die ruhige Besonnene. Sie hatte etwas von einer Majestät. Beide zogen an der Leine wie verrückt, aber damals hat uns das nicht gestört. Wir waren so glücklich den beiden etwas Abwechslung zum Hinterhof zu geben, sodass wir kein Problem mit der Zieherei hatten.

Der Besitzer der beiden verstarb leider, als ich ungefähr 12Jahre alt war. Nun kamen Anka und Emely von einem Tag auf den anderen in das städtische Tierheim. Meine Mama und ich besuchten sie sofort und unterschrieben einen Gassi-Geher-Vertrag. So oft es nur ging, besuchten wir die beiden und erkundeten die Elbgegend um Stetzsch und Gohlis. Auch diese Zeit war traumhaft.

Ich erinnere mich nicht daran, dass es zu der Zeit Schleppleinen gab, also waren beide immer an der kurzen Leine. Da Anka nicht so sehr zog wie Emely, hatte ich ihr von meinem Taschengeld eine robuste Flexi-Leine gekauft und so hatte sie etwas Spielraum. Emely schnappte ich mir immer wieder und rannte mit ihr ein Stück. Wir hatten nie den Drang die beiden zu verändern, ihnen das Zerren abzugewöhnen, mit ihnen irgendwas zu trainieren. Wir wollten mit beiden einfach nur draußen sein und die Gemeinschaft genießen. Und das taten wir, es waren immer sehr intensive Momente.

In dieser Zeit durfte ich auch die Collie-Hündin Irina kennen lernen. Mein Papa arbeitete damals für einen Kiosk und die Geschäftsführerin hatte wenig Zeit für ihre Hündin. So konnte ich Irina nach der Schule abholen für eine schöne Runde. Sie war schon 11 Jahre und hatte mal gute mal schlechte Tage. Ich erinnere mich noch an unser Kennenlernen. Die Besitzerin führte mich zum Büro, wo Irina wartete. Als die Tür auf ging, kam Irina langsam und vorsichtig heraus. Ganz ruhig und etwas skeptisch beschnupperte sie mich und kam dann zögerlich mit mir mit. Bereits am nächsten Tag, ich kam um die selbe Zeit, stand Irina schon schwanzwedelnd an der Tür und erwartete mich freudig. Sie schleckte mich zur Begrüßung ab und ging fröhlich mit mir hinaus. Wir gingen in den nahe gelegenen Park, wo ich ihr Leckerchen an Bäumen versteckte und sie sie suchen durfte. Die Besitzerin sagte mir zwar, ich solle sie an der Leine lassen, jedoch hatte ich schon nach wenigen Tagen so ein inniges Vertrauen zu Irina, dass ich sie wenige Meter nach dem Kiosk von der Leine ließ. Wir gingen durch unseren Wohnort hinauf zum Park. Irina lief gemütlich auch mal weiter voraus und wenn ich ganz leise ihren Namen sagte, drehte sie sich um und kam zu mir. Heute arbeite ich an diesem Vertrauen zu meinem Hund, auch weil es inzwischen sehr viele Hunde hier gibt und man sehr viel im Kopf hat. Wenn ich an Irina und mich zurück denke, war das alles völlig frei von Kopfkino. Wir vertrauten einander, es war wundervoll.

Ihre schlechten Tage nahmen irgendwann Überhand und sie schlich dann sehr sehr langsam hinter mir her. Eines Tages dann, sagte mir die Besitzerin, dass Irina nun von uns gegangen ist und ich war sehr lange sehr traurig darüber. Heute denk ich gerne daran zurück, wie wir vertrauensvoll zusammen im Park Suchspiele veranstalteten.

Die beiden Husky-Damen waren eines Tages nicht mehr im Tierheim, sie wurden vermittelt. Trotz unserer tiefen Verbindung zu den beiden, wurde uns von den Mitarbeitern nicht verraten wohin sie kamen. Ich denke immer noch sehr oft an die beiden und hoffe sehr, dass sie ein schönes Zuhause gefunden hatten.

Danach gingen wir immer noch ab und an mit Hunden aus dem Tierheim Gassi. Dies verlor sich aber nach und nach und ich fand die Pferde wieder.

 

 

Zwei Pflegepferde durfte ich betreuen und noch mehr von ihnen lernen. Die ältere, starke und oft "schwierige" Stute Diotima lehrte mich Ruhe, Geduld und Vertrauen. Mit ihr erlebte ich meine ersten Ausritte in absoluter Ruhe und Verbundenheit. Sie zeigte mir auch, dass man kein Wesen zu etwas zwingen darf, niemandem darf man einfach etwas überstülpen. Sie stärkte mich darin, alle Lebenwesen zu schätzen und zu sehen.

 

 

Das damals 1-Jährige Stutfohlen Lina war so ziemlich das Gegenteil von Diotima. Mit ihr durfte ich erleben, was es heißt einem jungen Wesen die Welt zu zeigen und gemeinsam Abenteuer zu erleben. So spazierten wir viel durch den Wald und die Felder, erklommen Berge und sprangen über reißende Bäche. Als ich 17 Jahre alt wurde verließen mich auch diese beiden in Richtung Hamburg und ich hörte nie wieder etwas von ihnen. Dennoch bin ich sehr dankbar für die schönen Lehrstunden der beiden.

Ich verlor nun zunächst die Verbindung zur Natur, da mich der Druck des Erwachsen werdens erfasste. Einen kleinen Versuch startete ich  nochmal in Richtung Pflegepferd, konnte diesen Weg aber nicht gehen.

 

 

Nachdem ich viel ziellos umher irrte und von der Ausbildung zum Studium gelangte, war ich auch dort sehr unglücklich. Ich war so ziemlich am Tiefpunkt - ausgelaugt, genervt und hatte absolut keine Freude mehr im/am Leben. Da ich in meiner ersten eigenen Wohnung lebte, tauchte nun wieder der Traum vom eigenen Hund auf. Und ich konnte ihn finanziell endlich realisieren.  Es war eine Flucht aus dem frustrierenden Weg, den ich beschritt. Ich wollte, wenn ich schon einen unschönen Weg passierte, wenigstens jemanden an meiner Seite haben, den ich schon so lange herbei sehnte. Und dort begann meine wundervolle, leichte, naturverbundene, lehrreiche, auch mal haarsträubende aber stets stimmige Reise zu mir selbst.

Damon wurde mir geschickt und dank ihm, darf ich nun ich selbst sein und erlebe die schönsten Momente auf unserem Weg.