Wie darf dein Hund sein?

Wir Menschen meinen Hunden beibringen zu müssen, wie sie als Hunde zu sein haben. Von klein auf müssen sie ja verschiedene Dinge lernen - wie man auf seinen Menschen hört, tut was er sagt, Sitz, Platz, Bleib, und immer schön mit dem Menschen mit laufen. Ach und wie man hündisch spricht muss ihnen auch der Mensch beibringen...
Es ist dann eigentlich nicht verwunderlich, dass Hunde (wie auch unsere Kinder) Probleme entwickeln und nicht mehr wissen, wie sie sich eigentlich verhalten können. Sie durften ja nie sie selbst sein und ihnen wurde auch nie richtig zugehört, was sie eigentlich brauchen.
Wenn wir mit ihnen zusammen leben möchten und wollen, dass der Hund mit uns kooperiert, ist es auch unsere Pflicht uns auf ihn einzulassen. Kooperation geht nunmal nicht von alleine, Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Es gehört dazu, dass man die Sprache des Gegenüber versteht und respektiert.
Nein, Welpen wollen nicht immer nur spielen und müssen auch nicht mit jedem Hund Kontakt haben, nur weil sie süß sind. Ein paar Monate später dann stehen genau diese Menschen dann in der Hundeschule und wollen bitte, dass sich ihr Leinenpöbler benimmt. Es tut mir leid, dass so sagen müssen, aber so beginnt der Kreislauf zumeist.
Kommunikation des Hundes wird nicht verstanden, oft auch einfach falsch gelehrt oder sich gar nicht erst damit beschäftigt und am Ende steht der Hund dann als Problem da.
Kein Meister ist vom Himmel gefallen - ich habe mich auch erst später mit der Kommunikation beschäftigt. Wenn du Probleme mit deinem Hund hast, bist du auch kein Versager - es ist deine Chance in eine sehr faszinierende Welt einzutauchen. Hunde zu verstehen bedeutet auch sehr viel zu lernen über Konfliktmanagement, deeskalierendes Verhalten und über die eigene Kommunikation, die nämlich gar nicht so unähnlich ist.
Und ich kenne bis jetzt (leider) nur eine Anlaufstelle um Hunde wirklich zu verstehen - beim Hundezentrum HSS (wo ich meine Ausbildung mache) wird die Kommunikation der Hunde ernst genommen und stets darauf geachtet, was die Hunde gerade vermitteln. Und zwar nicht einfach oberflächlich, sondern wirklich bis ins kleinste Detail. Hunde sind und sprechen detailreich, also müssen wir bei der Analyse auch ins Detail gehen, sonst verpassen wir wichtige Infos, die das Urteil in die völlig falsche Richtung bewegen.
Indem wir unsere Hunde verstehen und ihren Wesenskern erkennen, können sie sein wer sie sind und müssen nicht funktionieren, müssen nicht Gaga auf einen Ball gemacht werden, müssen nicht uns-anstierend nebenher her traben und wie ein Roboter auf Befehle trainiert werden. Sie sind komplexe hochintelligente soziale Lebewesen und dürfen so auch sein dürfen, dann sind sie auch offen für eine richtig tiefe vertrauensvolle Bindung mit uns.

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