Hilfe geben und beanspruchen

Vor zwei Wochen trafen wir uns recht früh mit einem guten Freund und seiner Beagle-Mix Hündin Keks. Ich hatte neben Damon noch Oops und Anjuk eingesammelt. Das Wetter war uns auch noch gut gesinnt und ich hatte richtig gute Laune und ganz viel Freude im Herzen auf diese Runde. Damon sagte ich zu Beginn noch, dass ich ihn heute wirklich brauche bei drei anderen Hunden und wir gerade für das Stück an der Leine bis zum Feld zusammen halten müssen. Und so gingen wir los: von Anfang an entspannt, keiner zerrte, alle waren super bei mir und ich bei ihnen und an anderen Hunden konnten wir mit tollem Kontakt miteinander einfach vorbei gehen. Am Feld angelangt bekamen meine drei jeweils eine 5m Schleppi dran, während Keks an der kurzen Leine blieb. Nach einem kurzen Renn-Rappel von Damon und Anjuk, den Keks und Oops ziemlich dämlich fanden (die zwei waren sich so herrlich einig), waren wir zusammen angekommen und konnten unsere entspannte Morgenrunde in Gemeinschaft beginnen. Gleich zu Beginn trafen wir den Winnie, ein junger Bullterrier-Rüde, den Damon und Oops bereits kannten und zuletzt zu seinem Frauchen zurück brachten, nachdem er zu uns rannte. Anjuk sagte uns schon bei Sichtung, dass er ihn nicht empfangen möchte und blieb grummelnd bei mir. Ich stellte mich leicht vor ihn und ohne, dass ich etwas sagen musste, gingen Oops und Damon Winnie entgegen und hielten ihn an. Sie beschnupperten ihn ausgiebig, Oops stand hinter ihm um einen "Ausbruch" zu verhindern und Damon sah ihm in die Augen, worauf Winnie Respekt zeigend wegsah. Da war Damon zufrieden und er begleitete ihn ein Stück weiter zu seinem Frauchen (diese rief ihn ununterbrochen, aber er konnte ja nicht weg). Wieder hielt Damon ihn an einer Stelle, um zu verhindern, dass dieser zu Anjuk geht. Oops war derweil wieder an meiner Seite (Keks beobachtete das ganze recht gleichgültig). Nun wurde Winnies Frauchen etwas ungeduldig und ich bat Damon ihn durch zu lassen. Das tat er dann auch, blickte ihm aber noch hinter her um sicher zu gehen. Dann drehte er sich zu mir um und ich bedankte mich ausgiebig bei Oops und ihm. Anjuk gab Damon auch ein Küsschen. Weiter ging es wieder wunderbar entspannt.

Etwas später kam uns ein großer Jagdhund-Rüde entgegen, den Damon bereits kannte und mit dem er zu seiner Zufriedenheit schon gearbeitet hat. Der Jagdhund findet Damon auch ziemlich toll und bleibt immer lieber bei uns als mit seinem Herrchen mit zu gehen und Damon brachte ihn durch Auspendeln und anschließenden Blicken wieder zu seinem Halter zurück, woraufhin er wahnsinnig stolz da stand. Nun war dieser nette Rüde in Sicht, sein Herrchen aber nicht, was nicht weiter tragisch ist für uns. Dieses Mal blieben Oops und Keks aber bei uns und zeigten, dass sie nicht unbedingt von ihm bedrängt werden wollen (beide sind eher introvertierte Hunde und der Jagdhund ein vorbildlicher extrovertierter Qualitätstester). Also gingen Damon und sein Bodyguard Anjuk auf diesen zu, der sich schon ins Gras legte. Wegsprinten schaffte er aber nicht, da unser Dream-Team ihn fest hielt und abstellte. Dabei machte Anjuk deutlichere Ansagen, während Damon festgemeiselt da stand und Druck sendete. Als der Jagdhund nachgab, sahen beide mich an "So, haben wir toll gemacht, nich? Bei euch auch alles klar? Den haben wir im Griff, er kann also langsam zu euch kommen, ja?" Ich bedankte mich bei beiden und sie führten den Fremden langsam an uns heran. Keks wurde von ihrem Besitzer geschützt und ich rahmte Oops, der bereits in Hab Acht Stellung ging, ein misstrauischer Kerl ;) Der Besitzer des Jagdhundes tauchte nun auch auf und lief an uns vorbei, während sein Hund wirklich ganz langsam Keks und Oops betrachtete, natürlich unter Anleitung von Anjuk und Damon. Er wandte sich zunächst Keks zu, die aber sagte, dass es ihr nun reicht. Da er nicht gleich reagierte, ging Damon einfach ganz cool zwischen beiden durch und prompt ließ der Jagdhund von ihr ab. Sein Schnuppern bei Oops beendete ich dann mit einem Blick (ein sehr feiner Hund). Herrchen rief bereits nach ihm mit einem Kommando, welches wohl funktionieren sollte. Der Rüde sah aber gar nicht ein weiter zu gehen, er fühlte sich sehr gut bei uns. Damon erfasste die Situation, stellte sich zwischen uns und den Rüden und machte wieder Druck per Ausstrahlung. Der nette Kerl gab nach und flitzte zu seinem Halter.

Die restliche Runde verlief ohne weitere Begegnungen, aber voller Stolz, Anerkennung und Zufriedenheit. Ein gelungener Morgen <3

Ich war tief berührt, wie selbstverständlich sich die Gruppe gegenseitig half. Wenn einer mit der Situation nicht zurecht kam, sprangen die anderen prompt ein und verhalfen zur entspannten Auflösung. Hunde haben beim Helfen keine Gedanken für, was springt dabei für mich raus; wenn ich dir helfe, hilfst du mir auch. Es ist für sie das Natürlichste überhaupt, anderen zu helfen und zu unterstützen. Geschenkt bekommen sie dann Vertrauen und Anerkennung. Wieder etwas, dass wir uns abschauen sollten.

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