Bitte und Danke

Zwei Worte auf die so viel Wert bei unseren Kindern gelegt wird, jedoch im Umgang mit unseren tierischen Freunden als sinnlos und verrückt abgetan wird. Dabei ist es doch nichts anderes als ein Ausduck aufrichtiger Wertschätzung, oder? Welchen Unterschied macht es nun, ob ich an einer Weggabelung zum Beispiel, an der ich gern nach rechts gehen möchte, mein Hund aber gern nach links, sage "Hier lang!" oder "Kommst du bitte mit hier entlang?" ? Einen riesengroßen wie ich finde.

Einem Hund wie Damon, also mit viel Autonomie, würde ich mit dem Befehlston "Hier entlang!" "Sitz!" "Lass das!" usw. einfach ständig und immer wieder respektlos über den Mund fahren. Dies würde dann dazu führen, dass unsere Verbindung immer weiter abreißt. Er wird viel mehr nur seins machen und lieber mal schnell wegrennen um seinen Interessen nachzugehen, anstatt mich zu bitten mit ihm zu kommen. Kann ich auch absolut verstehen. Ich würde mich auch nicht wohl fühlen, wenn mich meine Vertrauensperson ständig mit kurzen Kommandos von etwas abhält, was ich aber gerade sehr interessant finde und mich nie ausreden lässt. Ab wann käme dann der Zeitpunkt, wo mir die Lust vergeht diese Person an meinen Entdeckungen teilhaben zu lassen? Ab wann würde ich jede Gelegenheit der Unachtsamkeit nutzen und mal schnell weglaufen um kurz Spaß zu haben? Ich denke, ziemlich schnell. Und dann käme der nicht enden wollende Kreislauf von Vertrauensverlust, Wut, Ärger, Frust und Kontaktaufgabe.

Wenn Damon nun einen anderen Plan hat als ich und es gerade mal nicht passt seinen gemeinsam zu verfolgen, bitte ich ihn davon abzulassen (aus dem und dem Grund). Dann warte ich. Denn nun benötigt er Zeit nachgeben zu können. Er hat für sich eine Entscheidung getroffen, denn das kann er, dazu hat er die Kompetenzen. Durch meinen Schritt der Kooperation ist jetzt er gefragt, wie er darauf reagieren möchte. Es ist ein Schachspiel, ein Zug du, ein Zug ich und auf den Zug des Anderen wird dann entsprechend angemessen reagiert. Aus diesem Grund kann es auch keine Anleitungen geben für eine Beziehung, wenn doch, dann ist es ja kein Dialog, sondern ausschließlich und immer ein Monolog (meist des Menschen).

Damon bleibt zunächst bei seinem Plan. Ich zeige ihm durch mein ruhiges Warten, dass ich auch dabei bleibe (wenn ich nicht anders 'muss', gebe ich an dieser Stelle natürlich gern nach). Irgendwann schafft er es nachzugeben und folgt mir ( vielleicht noch mit einem Marke setzen, als Zeichen, dass er auch Entscheidungen treffen kann ;) ). Dann bedanke ich mich selbstverständlich, schließlich hat er etwas für mich getan, was er zunächst gar nicht wollte. Dies geschieht aufrichtig und nicht so nebenher. Je nach Situation reicht vielleicht einfach nur ein an ihn gewandtes "Danke" oder aber ich streichle ihn gleichzeitig mit dem Handrücken an der Wange. Das größte Danke wäre ein komplettes Abstreichen seiner Seite mit dem Handrücken. Das wäre ein sehr intensiver Ausdruck der Wertschätzung, den Hunde so untereinander auch verwenden.

Einem Kind würde man mit tadelndem Zeigefinger beibringen "Danke" zu sagen, gegenüber unseren Hunden ist es aber irrsinnig? Das sehe ich nicht so. Man sollte sich nicht so sehr auf dieses Wort versteifen, es hat in unserer Sprache die Bedeutung der Wertschätzung und trägt ein gewisses Gefühl mit sich bei der Aussprache. Allein darum geht es doch. Ich könnte auch "Zimmerpflanze" sagen, mit der selben Energie und demselben Ausdruck. Es käme bei jemanden, der Deutsch nicht beherrscht, mit genau der Bedeutung an, die ich vermitteln möchte, vorrausgesetzt es ist aufrichtig gemeint. Ein gespieltes "Danke" erkennt, denke ich, jeder.

Auch einem Hund mit wenig oder gar keiner Autonomie kann man bitten. Da solche Hunde von Natur aus gern ausführen, klappt es selbstverständlich gut mit Kommandos und Befehlen, aber es fühlt sich nie gut an für mich. Auch solche Hunde möchte ich in ihrer Natur wertschätzen und bitte sie deshalb in solchen Momenten ebenfalls meinen Plan zu verfolgen. Bei ihnen braucht man nur nicht so lange warten. Sie haben Kompetenzen im Ausführen, nicht im Entscheidungen treffen (das können sie natürlich auch, nur liegt es ihnen nicht) und sind deshalb immer froh, wenn für sie jemand Entscheidungen trifft.

Einem Hund, der mir ganz wunderbar sagt, dass an unserer Tür geklingelt wurde, antworte ich zunächst mit "Danke" und übernehme dann. Er hat doch nur seinen Job gemacht, nach seiner Meinung wäre ich verloren gewesen, wenn er mir nicht Bescheid gegeben hätte. Und für meine Rettung ;) bedanke ich mich. Das macht ihn für seine Leistung stolz, er merkt aber auch gleichzeitig, dass ich ihn ernst nehme und mich darum kümmere. Das heißt, er wird irgendwann auch unterscheiden können zwischen meldenswert und nicht meldenswert, da ich ja alles im Griff habe.

Hunde verstehen vielleicht unsere Worte Bitte/Danke nicht (obwohl ich da auch anderer Meinung bin, sie verstehen uns mehr als wir glauben), aber definitiv die Wertschätzung, die wir ihnen damit entgegen bringen. Ich denke, man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, seinem Hund ein "Danke" oder ein "Bitte" zu geben. Ist doch egal, was andere denken, wenn sie das mitbekommen. Ich fühl mich dabei gut und mein Hund merkt, dass ich ihn ebenso respektiere und sehe.

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