Eine gemeinsame Basis

Sind wir krank, gehen wir zum Arzt und bekommen ein Mittelchen dagegen. Sind wir depressiv wird uns vermeintlich beim Psychologen und/oder per weiteren Mittelchen geholfen.

Nun bellt der Hund sehr oft, also arbeiten wir speziell nur daran. Wird es problematisch bei Fremdhundebegegnungen, widmen wir uns dieser Sache.

Haben wir dann alles ‚im Griff‘, ist das Problem gelöst. Oftmals eröffnen sich dann aber an anderer Stelle neue Schwierigkeiten. Vielleicht eine andere störende Verhaltensweise oder gar eine Krankheit. Dann wird natürlich dies im Einzelnen behandelt.

Spürt ihr, worauf ich hinaus möchte? All diese Beispiele stellen Symptome für etwas Fehlendes in der Beziehung zu sich und zu seinem Hund dar. Was bringt es diese Warnhinweise zu behandeln, wenn doch etwas viel tiefer Sitzendes aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ich selbst habe das erst in den letzten Wochen so richtig begriffen.

Wir alle haben ein Fundament, welches wir in das Leben einbringen. Ein Fundament gebaut aus Vererbtem, Erfahrungen, Gelerntem, unserem sozialen Umfeld und vielem mehr. Das ist unsere eigene Basis. Verstecken wir dort etwas oder überdecken es mit Dingen, die nicht dort hingehören ist es nicht mehr unser Fundament und kann nicht so arbeiten, wie es möchte und wozu es gebaut wurde. Das klingt vielleicht etwas abstrakt, aber lasst euch ruhig mal auf diesen Gedanken ein. Auch unser Hund hat nun ein Fundament, welches er mitbringt. Wenn wir uns auf ein Zusammenleben mit ihm einlassen, entsteht ein gemeinsames Fundament. Unsere Basis, die ergründet werden möchte und wodurch sich im Prinzip alles andere von alleine löst, wenn wir diese einmal entdeckt haben.

Seit ich nun Maja Nowak entdeckt habe, versuchte ich sie quasi zu imitieren. Ich wollte meinen Hund so führen, wie sie es kann. Ich verstellte mich und überdeckte mein Fundament mit Teilen eines fremden Fundamentes. Das konnte ja so gar nicht funktionieren. Natürlich hatte ich so einige Erfolge, aber so wirklich ‚Ich‘ konnte ich nie sein. Genau das spürte auch Damon, weshalb wir immer mal wieder ‚aneckten‘. Immer öfter war er beim Spazieren durch unser Viertel sehr angespannt, erblickten wir Hunde auf der anderen Straßenseite konnte er sich schwer abwenden. Waren wir mit anderen Hunden unterwegs, hing er sehr viel in der Leine. Das alleine bleiben stockte auch wieder und schien wieder rückwärts zu gehen. Nur mit Führung und versuchter Kooperation ließen sich diese Probleme aber nicht lösen. Also setzte ich mich nach dem Denkanstoß wunderbarer Menschen hin und durchdachte mein Fundament. Wer bin ich, was kann ich für Damon sein und was nicht? Wie sieht unsere Basis aus, worauf fußt unser Zusammensein? Als ich damit fertig war, setzte ich mich zu Damon und streichelte sanft über sein Fell. Ich sagte ihm, wie es von jetzt an weiter gehen würde. Ich werde nicht mehr so tun, als wäre ich Maja, ich bin ich und kann niemals Hunde so führen wie sie. Ich kann es aber auf meine Art. Unsere Basis ist Vertrauen, Liebe, er ist mein Lehrmeister für alles, aber auch Ungeduld an der wir arbeiten und unser gegenseitiger Respekt. Das ist es, was uns verbindet. Bisher kämpften wir. Ich so zu sein wie jemand anderes und Damon, damit zurecht zu kommen. Keiner von uns konnte gewinnen und früher oder später hätten sich weitere Probleme, Krankheiten und so weiter breit gemacht. An dem Abend sind wir zur letzten Runde aufgebrochen und wir konnten im Schneckentempo um den Block gehen. Wir haben aufeinander gewartet und alles in absoluter Seelenruhe bewertet. Am nächsten Tag war es immer noch so. Wir kamen an Katzen vorbei und allein mit Worten (unserer Gebetsmühle) schaffte es Damon sich loszulösen und mit mir weiter zu schlendern. Andere Hunde wurden angesehen und ignoriert. Auch der kleine Oops wird jeden Morgen anders begrüßt. Vorher ist Damon ziemlich ungestüm auf ihn zugesprungen, seit zwei Tagen nun geht er ihm entgegen und Oops wartet an Ort und Stelle. Damon stellt sich vor ihn, wedelt weich mit der Rute und erkundigt sich. Es gibt kaum noch Momente in denen er an der Leine zieht, er geht wirklich in Ruhe voran und sieht sich alles an. In letzter Zeit hat er beim Allein bleiben wieder vermehrt rumgejammert. Heute war er 2 Stunden allein und hat keinen Ton von sich gegeben, er hat sogar geschlafen.

Da wir nun keinen Kampf mehr auszutragen haben, sondern als Freunde und ehrliche Kooperationspartner durch die Welt laufen, löst sich alles von allein, so nach und nach.

Auch wenn ihr das vielleicht als seltsam empfindet, lohnt es sich einmal darüber nach zudenken und tief in euch zu gehen. Was ist eure Basis mit eurem Hund? Worauf beruht eure Beziehung? Was könnte dort aus dem Gleichgewicht geraten sein, weshalb er ein Verhalten zeigt, welches ihr euch nicht erklären könnt? Versucht es, ich denke, ihr werdet nicht enttäuscht sein.

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