Fehler

Damit ihr nicht denkt, bei uns läuft alles ständig nur wunderbar und überhaupt super: Ganz und gar nicht, wir sind noch weit davon entfernt als wirkliches Team unterwegs zu sein. Ich kann Damon noch nicht in allen Situationen davon überzeugen, seine Entscheidungen mit meinen abzustimmen. Er ist wahnsinnig genau mit mir. Bin ich auch nur einen Tick abgelenkt und nicht bei mir bzw. ihm, quittiert er mir das entsprechend mit selbstständigen Ausflügen oder Unruhe. Reagiere ich dann auch noch gereizt, zeigt er mir erst recht den Stinkefinger nach dem Motto: „Wenn du nicht souverän mit mir kooperieren kannst, dann verlange nicht von mir, deine Entscheidungen zu akzeptieren.“

Er lässt mir noch keinen schlechten Tag durchgehen, denn ich bin im Allgemeinen noch zu wenig beständig und ‚berechenbar‘, sag ich mal. Ich denke, etwas in mir ist noch zu sehr angepasst, um sich auf die Authentizität dieses Hundes einzulassen.

Ihr seht, ich habe noch viel an mir zu arbeiten. Aber es lohnt sich, das merke ich an den vielen Momenten, wo wir eben eine tolle Verbindung haben und uns blind vertrauen.

Die eine riesen Baustelle bei uns ist noch der Waldspaziergang. Damon würde gerne jagen und stobern, die vielen Gerüche und Geräusche versetzen ihn in ein unglaublich hohes Energieniveau zu dem ich noch keinen Zugang habe. Anfangs habe ich das ganze versucht abzubrechen, ihn hinter mir zu halten, ihn zu mir zu wenden und durch Berührung aus dem Tunnel zu bringen. Dabei habe ich mich selbst hineingesteigert und bin quasi auf sein Energielevel hinaufgeklettert. Das war natürlich kontraproduktiv, denn ihn versetzte es noch mehr in Rage und ich schaukelte mich daran hoch. Wir saßen dann in einer Sackgasse und waren beide frustriert. Inzwischen versteh ich seine Fassung. Er ist an einem Punkt im Wald angelangt, an dem er gar keinen Kontakt mehr zu mir finden kann, er kann es einfach nicht mehr. Jetzt liegt es an mir, ihm zu helfen, trotz dieser Reize in einer Verbindung mit mir zu bleiben.

Bei Katzen funktioniert das schon gut (Katzen, die er kennen lernen durfte und wo ich sagte, dass diese zur Familie gehören sind soundso ok, das muss aber immer erst mal aufgefrischt werden; Katzen auf der Straße sind aber das Problem). Wenn er eine entdeckt, fixiert er sich fest. Ich halte dann die Leine fest, berühre ihn mit zwei Fingern an den Schultern und starte meine Gebetsmühle. So hat er die Möglichkeit, sich an mir ‚festzuhalten‘ und sich an jeder meiner ruhigen Wiederholungen runter zu fahren. Irgendwann fällt seine Rute herab und sein Blick wird weicher, das ist dann der Augenblick in dem ich ruhig sein muss, ich halte die Leine ohne Zug und berühre ihn auch nicht mehr. Meist lehnt er sich dann an mich. In diesem Moment kann er die Situation erfassen, steht im Kontakt mit mir und fällt selbst die Entscheidung nachzugeben. Wenn er dies tut, gehen wir in Ruhe weiter. Wichtig bei ihm ist, dass er dieses Nachgeben selbst entscheidet, nicht ich, denn das würde ihn wieder hochfahren. So in der Art handhaben wir das auch im Wald. Jedoch komm ich dahin nicht allzu oft, da wir ein ganzes Stück mit der Bahn fahren müssten. Der Wald bei uns hier ist ok für uns, aber das ist auch nur ein Wäldchen ohne großartig viel Wild etc.

Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Aber wie Maja Nowak schon schrieb, oute ich mich mal: Ich bin stolz einen echten, authentischen und nicht dressierten Hund zu haben, mit dem ich lerne gemeinsam durch die Welt zu gehen.

Edit: Heute morgen trafen wir ein Eichhörnchen im Park an. Ich hatte noch einen Gasthund dabei und beide blieben angewurzelt stehen. Während ich aber den Gasthund an der Leine festhielt, weil er auf Zug stand und sonst sicher losgedüst wäre, blieb Damon einfach an lockerer Leine stehen und bewertete von Anfang an die Situation im gleichzeitigen Kontakt mit mir. Den Gasthund musste ich zusätzlich berühren. Aber bei Damon halfen allein meine Worte, die ich ruhig an beide richtete. Das Eichhörnchen war zwischenzeitlich zum Baum gerannt und kletterte ein Stück hoch, beobachtete uns aber weiterhin (mutig mutig :). Damon hatte jetzt nachgegeben und mir bereits einen Blick zugewandt, dass es weiter gehen könnte. Beim Gasthund dauerte es noch etwas. Als dieser soweit war, reagierte er auf meine Ansprache und wedelte mit seinem ganzen Körper seine Aufmerksamkeit zu mir.

Heute war ein guter Tag trotz Hitze.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0